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Die Crux mit den sozialen Medien – Wenn Redings Maus zu rutschig wird…

Nachdem dem Podcast- und Blog „Angscht a Schrecken“ aufgefallen war, dass sich die ehemalige Vizepräsidentin Viviane Reding mit einem Like besonders in die Nesseln gesetzt hatte, wurde ich vom Journal um einen Kommentar gebeten:

Der Umgang mit der Öffentlichkeit, speziell mit den nicht mehr ganz so jungen sozialen Medien, scheint im Jahr 2016 immer noch nicht bei vielen Personen des öffentlichen Lebens ins Blut übergegangen zu sein.

Eigentlich noch im selbstverordneten „digitalen Detox“ befindlich, lieferte so am vergangenen Wochenende die ehemalige Vizepräsidentin der Europäischen Kommission, Viviane Reding, zu deren Ressorts Justiz, Grundrechte und Bürgerschaft gehörten, ein gutes Beispiel.
Wie der Podcast „Angscht a Schrecken“ herausfand und auch prompt öffentlich kritisierte, schien Frau Reding bei einem geschmacklosen Kommentar eines Artikels „auf der Maus ausgerutscht zu sein“. Der Autor des besagten Kommentars freute sich, dass wir 2018 den geldsüchtigen PD-Staat los wären. PD deswegen, „weil das ja das erste Gesetz war, welches gewählt worden war“, so der Autor weiter. Er würde sich wieder auf ein „Gesundes Land“ freuen. Man braucht nicht lange zu analysieren, um zu verstehen, dass dieser Text tatsächlich von PD’s spricht (französisch für „pédophile“, vorwiegend aber auch als Beleidigung für homosexuelle Männer gebräuchlich).

Zwei Tage später reagierte die Europaabgeordnete auf die Kritik, via Statusmitteilung über ihre öffentliche Facebook-Fanpage. Doch wer jetzt an eine Entschuldigung oder etwas Ähnliches gedacht hat, wurde enttäuscht. Sie hätte beim Überfliegen des Kommentars „DP-Staat“ gelesen und dies geliked, ohne zu erkennen, dass es sich um eine homophobe Aussage gehandelt habe und sehe sich nun als Opfer einer Drumpf-ähnlichen Rufmordkampagne von Aktivisten.

Man könnte ihr natürlich zugutehalten, dass sie in der Eile tatsächlich DP-Staat verstanden habe, bedenkt man die französische Abkürzung für „parti démocrate“, doch dies ließe den Schluss zu, dass sie im harmlosesten Fall eifrig ihre Fans mit einem Like belohnt, ohne die Kommentare überhaupt richtig gelesen zu haben. Ihr Post wurde in französischer Sprache verfasst, um so die Plausibilität ihrer Rechtfertigung zusätzlich zu unterstreichen. Schlimmstenfalls war ihr der Sinn der Botschaft aber durchaus bewusst und mit einem Like sollte so ein konservativer Wähler gebauchpinselt werden.
Ihrer Verdienste der letzten Jahre wegen, sträube ich mich jedoch zu glauben, dass eine Viviane Reding auf einer öffentlichen Plattform um die Gunst von Wähler hinter solch primitiven Aussagen buhlt oder gar deren Meinung teilt.

Wie dem auch sei. Als ehemalige Kommissarin müsste ihr bewusst sein, wie ernst das Thema Homo-, bi- und Transphobie immer noch ist. Als Mitglied des Europäischen Parlamentes dürfte ihr so auch nicht entgangen sein, wie sich das gesellschaftspolitische Klima z.b. in den östlichen EU-Mitgliedstaaten derzeit Zusehens verschlechtert.
Darüber hinaus hat jeder von uns bestimmt schon das eine oder andere Mal einen Post geliked oder geshared, ohne sich die nötige Zeit genommen zu haben, um ihn richtig durchzulesen. Es wäre also keine Schmach für eine gestandene Politikerin, dies zuzugeben und sich dafür zu entschuldigen.

Die Kritik aber in eine Rufmordkampagne Drumpf’scher Machart umzudeuten um damit einen eigenen Lapsus zu übertünchen, war die falsche Reaktion. Etwas mehr Fingerspitzengefühl hätte hier notgetan.

Europa sieht sich gefährlicher Zerreißprobe gegenüber

Wieder einmal durfte ich im Lëtzebuerger Journal mit einem Kloertext, einem Gastkommentar also, über meine Überzeugungen sprechen:

„Freude schöner Götterfunken“, so heißt es in Schillers An die Freude, die Beethoven vier Jahrzehnte später als neunte Sinfonie vertonte. Die Europäische Union hat sich aus dieser den letzten Satz zur Europahymne auserkoren. Zwar nur als Instrumentalfassung, aber dennoch sollte das Thema Programm sein für das wohl größte Friedensprojekt der europäischen Geschichte.

Nun ist 2016 nicht mehr viel von dem Pathos der Einigkeit und Brüderlichkeit zu spüren. Nach den fetten Jahren Ende der 90er und Anfang der 00er sieht sich die Europäische Union mit der bisher größten und gefährlichsten Zerreißprobe konfrontiert. In vielen Ländern wie Ungarn und Polen vertreten konservative Regierungen einen immer nationalistischeren Weg und selbst in Gründungsländer wie Frankreich und Deutschland ist ein Aufflammen der Neuen Rechten, befeuert durch die aktuelle Flüchtlingskrise, längst kein Randphänomen mehr.

Gerade in dem Moment, wo die Europäische Union Einigkeit und Brüderlichkeit zeigen sollte, verfallen viele Mitgliedsstaaten wieder in nationalistisches Denken zurück. Während verschiedene Länder Humanität und Nächstenliebe demonstrieren und sich an der Grenze der Belastbarkeit sehen, ziehen andere Grenzzäune hoch oder setzen das Schengen-Abkommen aus, welches die freie Zirkulation innerhalt der EU garantiert. Es gibt mittlerweile ein Europa der zwei Richtungen. Stärkster Ausdruck dessen sind die Zusammenkünfte der sechs Gründungsländer Belgien, Deutschland, Frankreich, Italien, Luxemburg und den Niederlanden auf der einen Seite, sowie das Visegrád-Treffen zwischen Polen, Tschechien, Slowakei und Ungarn auf der anderen Seite. Die Positionen beider Gruppen könnten kaum weiter auseinander liegen und werden das Finden von Lösungen kommender Herausforderungen zusätzlich erschweren.

Nun bereitet man sich in Brüssel auf das Schlimmste vor. Sollte Griechenland, welches für viele Vertriebene als Hauptzugang zur EU angesteuert wird, seine Grenzen nicht besser schützen können, könnte eventuell das Schengen-Abkommen europaweit ausgesetzt werden, doch nicht nur für 6 Monate, so wie es die Verträge vorsehen, sondern bis zu 2 Jahren.
Blicken wir der Realität ins Auge: ab dem Tag an dem die Schlagbäume uns wieder voneinander trennen, und sei es nur durch stichprobenartige Grenzkontrollen, ist die europäische Idee gescheitert und die europäische Integration auf viele Jahren hinaus undenkbar.

Statt Grenzen bedarf es in dieser Zeit vor allem der Einheit und des Vertrauens. Wir dürfen nicht zulassen, dass die geistige Begrenztheit einiger Weniger weiterhin ihre Übersetzung in tatsächliche Grenzen findet. Wir brauchen eine gesamteuropäische Solidarität und weniger nationalistischer Egoismus. Europa braucht eine handlungsfähige Kommission, die besonders in Krisenzeiten Initiativen zum Wohl aller ergreifen kann. Die EU muss dazu genutzt werden, gesamteuropäische Lösungen zu finden. Es kann nicht sein, dass Einigkeit nur dann ausgelebt wird, wenn man von ihr profitiert und sich dann verweigert, wenn man um seinen eigenen Komfort fürchtet.
Wir müssen uns endlich und vor allem jetzt als Europäer fühlen und uns auch endlich so verhalten.

Erschienen im Lëtzebuerger Journal vom 20. Februar 2016

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Giftiges Blut

Nachdem in Frankreich ab 2016 Blutspenden für homosexuelle Männer – im Prinzip – möglich werden, sind es in Luxemburg noch weite Schritte bis zu einer Lockerung der Spenderkriterien. Das Lëtzebuerger Journal hat mich hierzu um einen Kloertext gebeten:

Die EU steht unter anderem für Vielfalt und Gleichberechtigung. Niemand darf aufgrund seiner sexuellen Orientierung diskriminiert werden. Was sich schön anhört, sieht in der Realität oft anders aus. Derzeit gibt es beispielsweise in 18 der 28 Mitgliedsstaaten der Europäischen Union ein komplettes Verbot einer Blutspende durch homosexuelle Männer.

Geschuldet ist diese Ungleichbehandlung vor allem einem Klischeedenken über das Sexualverhalten von Männern, die gleichgeschlechtlichen Geschlechtsverkehr praktizieren: Schwule hätten ständig wechselnde Partner und würden dabei besonders oft auf schützende Kondome verzichten.

In der Regel werden jedoch alle potenziellen Blutspender in einem Fragebogen gefragt, ob sie bereits als Mann gleichgeschlechtlichen Geschlechtsverkehr gehabt haben. Für einen Mann, der beispielsweise in einer glücklichen und monogamen Beziehung lebt oder jemand, der vielleicht sogar schon längere Zeit Single ist, ist hier schon Schluss. Man stellt also lieber freiwillig und ehrlich antwortende Menschen unter Generalverdacht und stempelt sie als Risikogruppe ab, anstelle sie nach dem persönlichen Risikoverhalten zu befragen.

In lediglich 6 der 28 EU-Mitgliedsländer gibt es auf dem Gebiet der Blutspende mittlerweile eine komplette Gleichbehandlung zwischen hetero- und homosexuellen Männern. Unter diesen Ländern sind  Portugal, Spanien, Italien, Lettland  und – wer hätte das gedacht – auch konservativere Länder wie Polen und Bulgarien.

Zur Blutspende zuglassen, jedoch erst nach Erfüllung einer sogenannten „Keuschheitsklausel“ sind Schwule in Großbritannien, Schweden, Finnland, Tschechien und Ungarn. In Frankreich und den Niederlanden wird dies ab 2016 auch gelten: Nachdem 2009 ein Franzose vor den EuGH zog und dieser im April 2015 es versäumte, eine klärende Grundlage zum Abbau einer Ungleichbehandlung für die gesamte Europäische Union zu schaffen, löst die französische Regierung nun mit dem Aufheben des Blutspenderverbots nach dem „Mariage pour tous“ ein weiteres Wahlversprechen ein. Allerdings geschieht dies in mehreren Schritten.
So muss der in Frage kommende Blutspender vorerst noch erklären, dass er in den vergangenen 12 Monaten keinen Geschlechtsverkehr mit anderen Männern hatte. Langfristig sollen die Hürden aber komplett fallen.
Einen ähnlichen Weg gehen nächstes Jahr auch die Niederländer. Auch hier sollen Schwule in Zukunft Blut spenden dürfen, ebenfalls erst nach einem Versprechen, die vergangenen 12 Monate keusch verbracht zu haben. Altruismus wird dann doch noch eine Zeit lang mit gewissen Hürden und speziellen Bedingungen bestraft. Eine Gleichbehandlung ist es also noch nicht, aber immerhin schon ein erster Schritt in die richtige Richtung!

In Luxemburg stehe eine solche Änderung jedoch noch nicht auf der Tagesordnung, so der Zuständige Direktor des Transfusionszentrums. Man müsse sich in der nächsten Zeit jedoch einige Gedanken über Konventionen mit unseren Nachbarländern machen. Da jedoch die luxemburgische Gesundheitsministerin Lydia Mutsch bereits vor einem Jahr für ein Umdenken in Richtung „persönliches Risikoverhalten“ geworben hat, sind die Erwartungen hoch, dass sich hier in den nächsten Monaten etwas dahingehend tun wird.

Erschienen im Lëtzebuerger Journal vom 3. Dezember 2015

Byebye Onscholdsvermutung?

An de leschte Wochen hu sech vereenzelt Membere vun déi Gréng mat Onversteesdemech doriwwer geäussert, datt Bierger sech nach kuerz virum Vote  vun engem Gesetzestext abrénge wëllen[1] an elo, wou een dat virum Virstelle vum Text maache wëll, ass et och net gutt.

Konkret geet et hei also em d’Annonce vum Nohaltegkeetsministère, e Gesetzestext auszeschaffen, mat deem ee sech d’Méiglechkeet gëtt, fir engersäits fix an anerwärts mobil Radarsanlagen anzesetzen souwéi bestëmmten Streckenofschnëtter mat der sougenannter „Section Control“ ze iwwerwaachen. Besonnesch de leschte Punkt hu mir als Pirate kritiséiert. Och wa Radaren net onbedéngt d’Allheilmëttel schlechthin sinn, sou droën dës sécherlech zu enger Berouegeung vu geféierleche Plaze bäi. Et muss een awer mam Fakt liewen, datt bei Verschiddenen eng méi héich Duerchschnëttsgeschwëndegkeet vir an no de Radarstanduerter antriede kann. Dëst Phänomen kenne mer jo schon bei den Iwwerwaachungskameraen op den ëffentleche Plazen an der Stad, wou sech d’Geschéien op d’netiwwerwaachte Plazen an der Noperschaft verlagert huet.

Wat ganz einfach falsch ass, ass de Verglach vum Här Bausch, deen d’Section Control als eng Zort automatiséierte Polizist duerstellt. Fir de Prinzip vun der automatiséierter Streckeniwwerwaachung ze erkläeren, muss een et sech esou virstellen: op enger bestëmmter Streck ginn zwou Kameraen installéiert. Wann en Auto, Camion o.ä. elo an dëse Beräich erafiert, gëtt eng Foto gemaach, ganz egal op en dat ze séier oder mat ugemiessener Geschwëndegkeet gemaach huet. Op dëser Foto ass dann d’Nummereschëld souwéi de Fuerer ze erkennen. Um Enn vun deem Abschnitt gëtt dann nach eng Foto geholl. Dono gëtt den Zäitënnerscheet berechent, deen de Fuerer vun der éischter bis zur zweeter Foto gebraucht huet. Ass déi iwwert dem erlabten Duerchschnëtt, sou ginn d’Fotoen strofrechtlech relevant an un déi entspriechend Instanzen virugeleet. Am Fall wou een awer mat der erlabter Zäit doduerch gefuer ass, sollen déi Fotoen nees geläscht ginn. Wéi dës Läschung ausgesäit (spréch wéi definitv an a welchem Zäitraum) ass bis zum jetzegen Zäitpunkt nach net gewosst. Éier se geläscht gëtt, muss se awer onweigerlech op opmannst engem Rechner stockéiert ginn, fir déi Analys iwwerhapt maachen ze kënnen.

De Problem bei dësem Virgang ass ganz einfach deen, datt jiddwer Automobilist schon direkt ënner Verdacht steet, e potenziele Raser ze sinn. Jiddwereen, deen an dësen Streckenabschnëtt erafiert, gëtt fotograféiert. Och wann d’lëtzebuergesch Dateschutzkommissioun an dësem System keng Bedenken umellt, sou kann een als Mënsch, deem de Schutz vun de Perséinlechkeetsrechter vu jiddwer Eenzelnem um Häerz läit, nëmme géint dës Methoud sinn. Et kann net sinn, datt jiddwereen direkt emol ënner Generalverdacht gestallt a réicht no enger systematescher Kontroll d’Onschold bewise gëtt. Gëtt dësen Agrëff an d’Perséinlechkeetsrechter fir vertrietbar gehalen, ass et sécherlech nëmmen eng Fro vun der Zäit, wéini mer iwwert d’Fro diskutéieren, op mat dësen Anlagen och kontrolléiert dierf ginn, op e Gefier korrekt ugemellt ass etc.

Ganz onpassend an enttäuschend fannen ech niewebäi och, datt de Pirate virgeworf gëtt, e wichtegt a sensibelt Thema ze benotzen, fir d’Sécherheet géint Dateschtuz auszespillen.
No dëser Formuléierung beschläicht een de Verdacht, datt et ëmgedréint ass: mat Totschlag-Argumenter gëtt versicht, de gliesene Bierger Stéck fir Stéck duerchzesetzen, nom Prinzip „der Zweck heiligt die Mittel“. An dat vun enger Partei, déi direkt d’Vorratsdatespäicherung ofsetzen, Datespuersamkeet duerchsetzen a sech fir méi Schutz vun de Perséinlechkeetsrechter asetze wollt, soubal se Regierungsverantwortung huet. D’Piraten hu ni gesot, datt eis d’Stroossesécherheet net wichteg wier, mir plädéiere dofir fir méi Policepräsenz um Terrain.

[1] http://manuelhuss.wordpress.com/2014/07/26/petitioune-laanscht-dorganiseiert-zivilgesellschaft/

Firwat e Sonndeg d’Pirate wielen?

Jojo, zouginn, fir e lëtzebuergeschen Deputéierten an d’Europaparlament schécken ze kënnen, brauche mer ronn 14% vun de Stëmmen, wat grad fir eng nei a virun allem méi kleng Partei wahnsinneg schwiereg ass. Mir schléissen also e lëtzebuergescht Pirate-Mandat aus. An awer ass eng Stëmm fir d’Piratepartei keng verluere Stëmm!

Mir trieden dës Kéier fir d’zweet bei Walen un. Nodeems mer am Oktober bal ronn 3% vun de Stëmme kruten, hu mir ville Leit bewisen, datt et tatsächlech e Grond gëtt, wisou esou vill Leit eis hir Stëmm ginn hunn. Eis Käerthemen sinn Transparenz vum Staatswiesen, eng Demokratiséierung vu staatlechen Institutiounen, méi Biergerbedeelegung an e radikalen Ofbau vun diskriminéiernd Bestëmmungen. Ween awer mengt, datt dat national Fuerderunge sinn, deen iert!

D’Pirate verstinn sech, wéi soss keng aner Partei, als eng international Beweegung. Enstanen aus engem Mouvement eraus, dee sech am Ufank mat Netzpolitik, Copyrightreform an ähnleches beschäftegt huet, wësse mir méi wéi anerer d’Virdeeler vun de modernen Technologien ze schätzen. Mam Internet, enger Technik déi d’Kommunikatioun weltwäit revolutionéiert huet, ass eis Welt méi zesummegewuess. Grenze si just nach historesch Linnen, Staaten kënschtlech Konstrukter.

D‘europäesch Integratioun, e Projet deen op enger wirtschaftlecher Gemeinschaft mat selbstverständlech och sécherheetspoliteschen Hannergedanke fousst an deen no an no zu enger politescher Unioun ginn ass, ass mat eng vun de bedeitensten Evenementer an der Geschicht vum Kontinent. Während elo a ville Länner ëmmer méi europaskeptesch Stëmmen hoart ginn, stinn d’Piraten  uechtert Europa hannert dësem groussartege Projet.

Selbstverständlech muss een och vill vun de Kritike héieren a verstoen. Historesch gewuess, enstanen duerch Kompromësser tëscht den Nationalstaaten, hu mir haut e bürokratesch Monster „Bréissel“ geziicht. Mir trieden dofir dëse Sonndeg un, fir grondleeend Reformen ze fuerderen. Mir stinn an fir e staarkt EU-Parlament, dat ë.a. d’Initiativrecht muss kréien, d’Méiglechkeet also, selwer Gesetzesproposen ze maachen. Mir wëlle gäer eng demokratesch gewielte Kommissioun, déi an noer Zukunft ënnert dem Zil vun engem föderalen Europa zu enger Regierung ënnert der stänneger Kontroll vum Parlament ausgebaut soll ginn. Kommissaren musse gewielt an net vu Regierungen bestëmmt ginn. De Kandidat fir de Kommissiounspräsident muss an all Land um Walziedel stoen. Weder d’Kommissioun nach aner Institutiounen dierfen jeemols nach eng Kéier e Blankoscheck kréien, fir hannert zouenen Diren Vertreeg mat anere Staaten auszehandlen. Biergerbedeelegung muss ëmmer méiglech sinn a soll Alldag ginn!

Fir dem Usproch vun enger fairer, biergernoer an demokratescher Unioun gerecht ze ginn, wëlle mer Biergerbedeelegung zu all Ament méiglech maachen. D’europäesch Biergerinitiativ muss also konsequent ausgebaut ginn. Fir datt dëst iwwerhapt klappe kann, mussen d’Bierger informéiert ginn. All d’Dokumenter mussen ëffentlech zougänglech sinn, soufern se net d’Recht op Privatsphär vun Eenzelnen betreffen. Mir brauchen eng staark Stëmm fir Europa an der Welt, dofir wëlle mer aus dem europäeschen Baussebeoptragten e richtegen europäeschen Ausseminister maachen.
Mat enger gesamteuropäescher Truppestäerk vun 2,2 Millioune Mann, déi net nëmmen ënnerscheedlech ausgebild sinn mee och dat ënnerscheedlechst Material benotzen, si mir mat groussem Ofstand déi stäerkste Sträitkraaft op der Äerd. Wëlle mer dat? Mir si fir eng Fusioun vun den eenzelnen Arméien souwéi enger Vereenheetlechung vu Material an Ausbildung. Duerch eng zentral Koordinatioun léisst sech vill Material a Budget aspueren.

Zum Schluss verdeedege mir d’Grondrechter, déi fir all Bierger gëlle muss! All Mënsch ass d’selwecht vill wäert an muss déi selwecht Chancen hunn, onofhängeg wou e wunnt! Mir sollten ophalen, an eisem nationale Klein-Klein ze denken an eis als Europäer spieren an d’Virdeeler vun eiser Unioun endlech schätze léieren.

Firwat also elo d’Pirate wielen? Ma fir allen ze weisen, datt et Leit zu Lëtzebuerg an an aner Länner gëtt, déi fir e progressivt Europa sinn. Och wa mir dës Kéier keen Deputéiertenmandat kréien, sou ginn et an aner Länner awer e puer Mandater. Zesumme mat deenen kënne mir awer nach vill erreechen! Fir ze weisen, datt méi Demokratie an Transparenz net nëmmen méiglech mee och gewollt gëtt. An mat vill Chance mierken aner Parteien och, datt et Leit ginn, déi eis Visioun deelen an inspiréieren sech un deenen Iddien!

D’Konzept vu Vollzäitbeschäftegung muss laangfristeg iwwerduecht ginn… mäi Pro zum Grondakommes

Ech hat d’Chance, am Journal vum 9. Mee an engem Pro & Contra ze erklären, wisou d’Bedéngungslost Grondakommes och op europäeschen Niveau fir eis esou wichteg ass. Hei mäin Pro:

Für uns Piraten steht das Recht auf eine sichere Existenz und auf gesellschaftliche Teilhabe an oberster Stelle. Wir müssen jedoch der Realität ins Auge schauen: Firmen investieren in technische Entwicklungen, um günstiger und schneller produzieren zu können. Bei einem immer größeren Bevölkerungszuwachs können wir auf Dauer keine 40-Stunden-Jobs für jeden garantieren. Das Konzept der Vollzeitbeschäftigung muss bald überdacht werden. Es gibt viele Menschen, die im Benevolat, in karitativen Organisationen oder als Kunstschaffende aktiv sein möchten, dies aber neben dem lebensnotwendigen Lohnerwerb nur sehr eingeschränkt sein können. Da das Angebot an Arbeit nicht im selben Umfang ansteigen kann, werden solche Engagements unserer Meinung nach für die Gesellschaft immer wichtiger. Diese gilt es zu ermöglichen und zu unterstützen. Eine so ambitionierte Idee wie die des bedingungslosen Grundeinkommens ist jedoch ohne weiteres nicht umsetzbar, deshalb wollen wir als Zwischenetappe einen europaweiten Mindestlohn, der regional an die dortigen Gegebenheiten wie Mieten, Löhne usw. anpasst ist.

2014-05-09_Journal_Pro&Contra_Grondakommes

Wat verschidde Parteien hir eege Accorde wäert sinn…

Den 14. Mäerz 2014 krut d’Piratepartei souwéi siwen aner Parteien eng eMail aus dem Generalsekretariat vun der LSAP mat enger PDF als Attachment. D’Absenderin hat hei de Walkampfaccord geschéckt, mat der Invitatioun, sech dem Accord unzeschléissen, dëst dann awer sou séier wéi méiglech ze kommunizéieren. D’feierlech Präsentatioun mat fir d’Kameraen schéin inzenéierter Signatur war 4 Deeg méi spéit an der Chamber geplangt.

Datt dësen Accord vun nëmme verschidde Parteien exklusiv ënnert sech ausgehandelt gouf, dierft mëttlerweil bekannt sinn. Sou waren, mengen Informatiounen no, nierwt der Piratepartei weder déi Lénk nach d’PID invitéiert, fir am Virfeld zesummen mat den Initiatoren iwwert d’Ausgesinn vum Accord ze verhandelen. Ech ginn dovunner aus, datt och d’KPL keng Invitatioun krut. Et ass och kee Geheimnis, datt d’Pirate sech dësem Ofkommes net ugeschloss hunn. Dëst net aus schlechtem Wëllen. Zum enge kritiséiere mir hei d’Virgoen, also d’Ausschléisse vu verschidde Parteie bei de Präparatiounsgespréicher, zum anere waren d’Beschränkungen, déi sech déi grouss an agesiesse Parteien operluecht haten fir sech selwer eng reng Käschtebrems, fir kleng Parteien awer eng enorm Aschränkung an hire souwisou scho knappe Méiglechkeeten.

Am Punkt vun der Walkampfkäschtebegrenzung beispillsweis, verpflichten sech d’Parteien, e Budget vun 65.000 Euro fir Print-Werbung, zousätzlech Reklammen am Fernseh- a Radio souwéi op Websäiten net ze iwwerschreiden. No engem Gesamtbudget vu 25.000 Euro bei de Chamberwalen vun virun mëttlerweil 7 Méint, ass esou eng Zomm fir eng Partei, déi exklusiv vu Spenden a Cotisatiounen liewt a kee Cent vun der staatlecher Parteiefinanzéierung kritt, natierlech utopesch. Eisen Europawalkampf wäerte mir mat knappen 15.000 Euro stemmen.
Eng weider Beschränkung war d’Unzuel vun de Werbeflächen. LSAP, Déi Gréng, DP, CSV an ADR verpflichten sech, net méi wéi 100 Groussflächen souwéi 200 Daachstänner duerch d’Landschaft opzestellen. Mol ganz dovunner ofgesinn, datt et wuel kaum ee gëtt, dee queesch duerch d’Land fiert, fir d’Flächen ze zielen, ass dat awer nach eng zimlech héich Zuel, déi kleng Parteien sécherlech ni iwwerschreide kënnen.

D’Parteie hu sech am Accord op de 5. Mee als Start vun hire Walkampagnen geeenegt. Déi grad genannte Werbeflächen dierfen se ab dem 2. Mee opriichte goen. Sou bedauerlech et och ass, datt LSAP, Déi Gréng, DP, CSV an ADR just knapp 3 Wochen iwwert Europa schwätze wëllen, kann eng kleng Partei et sech net erlaben, réicht an deene leschten dräi Wochen déi logistesch Erausfuerderungen unzegoen. Et mussen Werbefläche organiséiert, bepaapt an transportéiert souwéi Zeitungen a Flyere verdeelt ginn. Et stinn Table ronden un. Bis op 5, 6 Ausnahmen wäerten d’Gemengen hir Plakatpanneauen och eréicht an deene leschten 3 Wochen opstellen, wann se der iwwerhapt opstellen. Fir donierft nach an e konstruktiven Dialog mam Bierger ze trieden ass dann quasi net méi méiglech.

Fir dann erëm op den Accord zréckzekommen, sou wëllen sech déi grouss Parteien dann maximal 2 national „Toutes-boîtes“, also de Versand vu Publikatiounen un all Haushalt am Land, während der offizielle Walkampfphas erlaben. Och hei brauch d’Piratepartei näischt ze verspriechen, well bei eis ginn all d’Publikatiounen selwer duerch eis Memberen ausgedeelt, an dat leider nach laang net flächendeckend duerch d’ganzt Land.

Mir hunn haut elo den 30. Abrëll. Eppes méi wéi e Mount no der Signatur, kënne mer haut kucken, wéivill de Parteie hiren Accord nach wäert ass: zënter e Sonndeg fënnt een op verschidde Plazen laanscht d’Stroossen Daachstänner vun der CSV an zënter de Moien steet zu Bartreng an engem Rondpoint eng Groussfläch vun der DP. Gesponsort Reklammen huet een op de Soziale Netzwierker scho viru Woche gesinn, an d’LSAP-Kandidate fueren an hirem Kampagne-Tourbus duerch d’Land vun Dëppefest zu Dëppesfest.

Wat de Piraten dann och tatsächlech wéi gedoen hätt, ass de fräiwëllege Verzicht op déi sougenannt Hohlkammerplakater. Dëst ass e relativt bëllege Werbemëttel, deen sech an enger héiger Zuel uschafe a mat relativ wéinegen Ustrengend verdeele léisst. Fir d’Piraten hätt eng Ënnerschrëft ënnert dësen Accord also quasi de Verzicht vun der eenzeger Méiglechkeet vu Reklamm bedeit. Datt déi aner Ënnerzeechner och drop verzichten tréischt hei wéineg, vu datt dës d’Daachstänner a Groussflächen an de vergaangene Joeren mat der staatlecher Ënnerstëtzung uschaafe konnten an laagere konnten. Datt d’Piraten herno dunn awer onfräiwëlleg zum Verzicht vun dësem Werbemëttel gezwonge gouf, ass och bekannt. A leider ass den zoustännege a soss virun allem op Twitter sou gespréichege Minister Bausch bis haut nach eng Erklärung schëlleg, wisou dëst Verbued besteet.

Wat ass de Fazit vum Walkampfaccord? Zum enge wëll keen iwwert Europa schwätzen, dofir hunn déi grouss Parteien de Walkampf op just 3 Wochen begrenzt. Dann sollt de Walkampf fir si bëlleg ginn. Fir datt se ënnert sech, budgetsméisseg, en ähnlech deiere Walkampf féieren, hu se festgehalen, wat maximal dierf ausginn. Ech fannen et awer schäbeg, en Accord auszehandelen, d’Press ze ruffen, an sech dann awer net un d’Verspriechen ze halen.Nach méi bedenklech ass et awer, wann aner Parteien dann zum Anhale vun Deeler aus dem Accord duerch onduerchsiichteg Restriktioune vu Ministeren gezwonge ginn.

Egal, mir freeen eis elo awer op spannend dräi Wochen an iwwert eng konstruktiv Diskussioun ëm Europa.

Oppene Bréif un den Nohaltegkeetsminister François Bausch

wuelwëssend, datt et de Begrëff vun der ausserparlamentarescher Ufro un e Regierungsmember net gëtt (d’Piraten dëst awer an hirem Walprogramm fuerderen), wëll ech mech mat dësem oppene Bréif als Generalsekretär vun der Piratepartei Lëtzebuerg un Iech adresséieren.

Virgëschter krute mir vun Äerem Ministère d’Permission de Voirie, mat dëser mir ab dem 25. Mäerz Walkampfpublicitéiten laanscht d’Stroossen opstellen dierfen. Mir soen Iech Merci, datt mir dëst elo net nëmme virum Datum maachen dierfen, deen am Walkampfaccord ausgehandelt gouf, mee och virun deem Datum, dee mir bei Iech ugefrot hunn.

Mir sinn allerdéngs iwwerrascht, datt Dir eis resp. de Parteien am Allgemengen verbueden hutt, Panneauen op Luuchtepottoen resp. aner Objeten laanscht d’Stroossen opzehänken, wou et virun engem hallwe Joer fir d’Chamberwalkampagn nach erlaabt war.

Déi besoten Hohlkammerplakater stelle keng Behënnerung vun der Siicht fir Verkéiersteilnehmer duer a ginn no der Walkampfphase vun de Parteien nees agesammelt, sou datt keng Verschmotzung vun ëffentleche Flächen entsteet. D’Material selwer ass recyclebar, soufern se net vun de Parteien fir Archiv- an aner Zwecker versuergt ginn. Äer zwee Koalitiounspartner hunn dës Mëttelen während dem leschte Walkampf selwer och massiv agesat.

Dir wësst sécherlech, datt dëst grad fir kleng Parteien, déi sech exklusiv aus private Spenden finanzéieren, en essentielle Bestanddeel vun hirer Walkampfaarbecht duerstellt, mécht et dach méi wéi dräivéierel vun der Wahrnehmung op der Place public aus.

Et ass ausserdeem ganz einfach falsch, wann Dir um RTL Radio sot, datt eis Partei et net fir noutwenneg fonnt huet, bei dëse Verhandlungen dobäi ze sinn. D’Pirate goufen net emol invitéiert. Dës weideren ass och Äer Ausso falsch, datt kee benodeelegt wier well d’Spillreegele jo fir all d’Parteie gëllen. Falsch, well net all Partei esou en héige Budget huet fir ë.ä. 100 Groussflächen an 200 Daachstänneren anzesetzen, an net all Partei mat bekannte Gesiichter wéi ehemoleg Ministeren an amtéiernd Deputéiert an d’Renne start. Doriwwer eraus hunn e puer Parteien e Budget, deen et hinnen erlabt, zousätzlech Werbezäit op de Fernseh- a Radiostadiounen ze kafen, wat hinnen en zousätzleche Virdeel verschaaft.

Eis ass dann och gëschter d’Informatioun vun engem Verhandlungsteilnehmer zougedroe ginn, datt während de Verhandlungen vum Walkampfaccord, déi just ënnert verschidde Parteien am Geheime stattfond hunn, Stëmmen opkomm sinn, datt Dir dës Walkampfartikelen, eis resp. de Parteien verbidde sollt.

Ech wéilt Iech dofir folgend Froen stellen:

  1. Ass Äer Entscheedung, dëst Walkampfmëttel ze verbidden, duerch den Walkampfaccord vun de 5 gréisste Parteien inspiréiert?
    1. Wa jo, entsprécht et der Wouerrecht, datt Dir iwwert de Verhandlungsdelegéierte vun Äerer Partei esou Suggestiounen oder Fuerderungen aus dem Kreess vun dëse Verhandlungen kritt hutt ?
    2. Wa Neen, op welcher Grondlag baséiert Äer Entscheedung, dëst Verbued de Parteien opzeerleeen, wuelwëssend, datt dës Decisioun verschidde Parteie méi benodeelegt wéi anerer?
  2. Fannt Dir et ugemiess, all d’Parteien zum Anhaale vu (verschiddene) Konditiounen aus engem Walkampfaccord ze zwéngen, egal ob dës bei dësem fräiwëllege Accord matgewierkt an/oder ënnerschriwwen hunn?
  3. Gëtt et d’Méiglechkeet nach, nodréiglech eng Autorisatioun fir dëst Werbemëttel ze kréien, sou datt fir all d’Parteien déi selwescht Reegelen wéi fir d’Chamberwalen am Oktober 2013 gëllen?

 

Mat frëndleche Gréiss,

Andy Maar,
Generalsekretär vun der Piratepartei Lëtzebuerg

Homo-Ehe: Kritik der Kritik der Pro-Argumente

In der Wort-Ausgabe vom 17. März ist eine Kritik über die Pro-Argumente der Homo-Ehe zu lesen. In seinem Artikel, welcher in längerer Fassung auf der Webseite der Zeitung zu finden ist, zählt der Philosophielehrer in Ruhestand, Hubert Hausemer, Argumentklassen auf, welche häufig von Homo-Ehe-Anhänger ins Feld geführt werden  und versucht sie der Reihe nach als nicht stichhaltig zu entlarven.

Die Kritik erscheint anfangs recht sachlich, was eine willkommene Abwechslung darstellt, ist man doch sonst größtenteils religiös motiviertes Contra gewohnt. Bedenkt man die Anzahl der Argumentsklassen, stolze acht an der Zahl, so ist man überzeugt, dass der Autor sich länger mit dem Thema beschäftigt hat und eine objektive Kritik verfasst hat. Ich sollte jedoch enttäuscht werden.

Gleich zu Anfang wirft der Lehrer die zynische Frage auf, woher das plötzliche Verlangen nach einer Ehe und einer Familie rühren würde. Zynisch deshalb, da jedem klar sein dürfte, dass es noch nicht einmal 15 Jahre her ist, dass Homosexualität noch ein Tabu-Thema war. Dass sich heute viele Jugendliche relativ unbesorgt als das outen können, was sie wirklich sind, ist das Verdienst der ersten Generationen von LGBT-Aktivisten. In ihrem jahrelangen Kampf um Gleichstellung war der PACS, so sinnvoll wie er auch sein mag (immerhin hat dieser seine Vorteile und damit auch eine Berechtigung), nur eine Zwischenetappe. Von einem plötzlichen Verlangen kann also keine Rede sein.

Bei seinem ersten Beispiel versucht der Autor ein gedankliches Akrobatikkunststück um das Argument der Diskriminierung als nicht gegeben darzustellen. Der 1. Artikel der UNO-Menschenrechtserklärung, alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich, wäre nur dann zulässig, wenn sie in einer gleichen Situation sind. Da weder bei der UNO noch im Code Civil nichts näheres über die Ehe zu finden ist, wird der Code Napoleon mit einer Definition aus dem 19. Jahrundert bemüht. Und siehe da, dort ist bloß die Rede von Mann und Frau, ergo sind zwei Männer oder zwei Frauen nicht in  der selben Situation, wenn sie Anerkennung für ihre Liebe wollen. Auch wenn Herr Hausemer das Argument der Liebe nicht gelten lassen will, da es juristisch gesehen keine Relevanz hat, ist es unbestreitbar das Hauptargument!

Da für den Autor Modernität nicht immer etwas positives sein muss, gilt auch das schön hübsch gelehrt klingende Argument der Non-Malefizienz (Es schadet keinem) nicht. Neue Familienformen existieren zwar, müssen jedoch nicht unbedingt „gesetzlich gefördert werden“, da sich alte Familienbilder bewährt haben. Somit wird nicht nur gleichgeschlechtlichen Paaren sondern auch Patchworkfamilien und Familien mit Alleinerzieher als „Ausnahme der Regel“ gebrandmarkt, wobei besonders letztere eine besondere Anerkennung verdienen müssten. Es bleibt zu erwähnen, dass die Rate der Scheidungen ständig zunimmt und Alleinerzieher längst keine Seltenheit mehr sind und es oft nicht einfach haben.

Auffallend oft wird die gleichgeschlechtliche Ehe als Büchse der Pandora dargestellt. Tritt diese einmal in Kraft, ist es nur eine Frage der Zeit bis dass polygame und inzestuöse Paare das gleiche Recht fordern. Der Autor unternimmt den Versuch, die Ehe für Homosexuelle als ein Mittel zum Zweck darzustellen und so das Recht eines Kindes zu bekommen sowie der Verschaffung materieller Vorteile wie Kindergeld etc. Die ist schlicht bösartige Polemik.
Auch wenn viele den Wunsch haben sollten, einem Kind ein liebevolles Zuhause zu bieten, so ist dies keineswegs etwas Schlechtes. Es ist absolut nichts Unnatürliches daran, eine Familie gründen zu wollen.

In einem weiteren Contra-Punkt geht Herr Hausemer auf künstliche Befruchtung und Leihmutterschaft ein.  Künstliche Befruchtung wäre, da nur für heterosexuelle Paare gedacht, etwas negatives, wenn es für gleichgeschlechtliche Frauen-Paare eingesetzt werden würde. Beim Thema der Leihmutterschaft, so hat er ansatzweise Recht, wenn es darum geht, Frauen und ihre Schwangerschaft (besonders unter ausbeuterischen und unsauberen Bedingungen, oftmals gegen ihren Willen) als Dienstleistung zu missbrauchen. Dies passiert aber bereits jetzt schon häufig und ist keineswegs eine Erfindung schwuler Paare oder eine Konsequenz aus der Eheöffnung und sollten somit auch nicht als Teil dieser Diskussion sondern als separates Thema behandelt werden.

Was die Familienformen angeht, so entgeht dem Autor noch eine ganz bestimmte Form von Familie, die sich in anderen Länder bereits sehr langsam etabliert. Schwule und lesbische Paare, welche jeweils den Wunsch haben, einem Kind ein liebevolles Zuhause zu geben, finden sich zusammen und gründen so eine Großfamilie. Auch wenn dies mit großer Wahrscheinlichkeit nicht die Mehrheit aller LGB-Familen darstellen wird, ist dies eine äusserst solidarische Form des Zusammenleben, in der jeder für jeden  Verantwortung übernimmt und die geschützt werden muss.

In den vergangenen Zwanzig Jahren ist bereits viel darüber diskutiert worden. Die Organisation Rosa Lëtzebuerg lädt seit Gründung im Jahr 1996 aktiv zu einer offenen Diskussion ein. In diesem Jahr feiert die Einführung der eingetragenen Partnerschaft ihr zehntes Jahr. In anderen Länder innerhalb- und außerhalb der EU ist es schwulen und lesbischen Paaren bereits möglich zu heiraten, ohne dass die Welt unterging. Es ist nun Zeit, den nächsten Schritt zu wahren! Mit Klischees kommen wir jedoch nicht weiter.

Gesegnete Hungerspiele: vier Tage vor #Sotschi2014

Am kommenden Freitag ist es soweit. Die zweiundzwanzigsten Olympischen Winterspiele werden im russischen Sotschi eröffnet.
Es ist bereits viel über die Wahl des Gastgeberlandes berichtet und gestritten worden. Mittlerweile dürfte fast jedem die tragischen Schicksale vieler Menschen in Russland einigermaßen bekannt sein. Westliche und besonders deutsche Medien haben in den vergangenen Wochen und Monaten sehr intensiv über die Verhältnisse berichtet.

Vor etwas mehr als einer Stunde brachte das @tageblatt die Breaking-News, dass sich das luxemburgische Staatsoberhaupt, Großherzog Henri, sowie sein Sohn Felix, zu den Eröffnungsfeierlichkeiten der Spiele fahren sollen.

Nachdem nun aber bereits mehrere Staats- und Regierungschefs, wie beispielsweise der deutsche Bundespräsident Joachim Gauck, die Bundeskanzlerin Angela Merke, der französische Staatspräsident François Hollande oder hohe EU-Vertreter wie die Vize-Präsidentin der Kommission Viviane Reding, angekündigt haben, nicht zur Eröffnungsfeier reisen zu wollen, stelle ich mir nun die Frage, ob Großherzog Henri sowie sein Sohn sich Gedanken darüber gemacht haben, den Spielen ebenfalls fern zu bleiben oder welchen Eindruck ihre Anwesenheit dort machen wird. Doch aufgrund der Mitgliedschaft Henris im Internationalen Olympischen Comité dürfte eine Absage wohl kaum in Frage gekommen sein. (mehr …)

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